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Gentechnik auf dem Rückzug

„Wir wollen in Nordrhein-Westfalen beweisen, dass die Koexistenz von konventionell und gentechnisch veränderten Pflanzen möglich ist.“ So steht es in der Koalitionsvereinbarung der CDU und FDP-Fraktion im Landtag aus dem Jahr 2005. Mit CDU-Minister Eckhard Uhlenberg an der Spitze des Landwirtschaftsministeriums wollte man diesen Vorsatz in die Tat umsetzen und die Gentechnik im Land fördern. Das am dichtesten besiedelte Flächenbundesland, welches dennoch auch einen wichtigen Agrarstandort darstellt, hätte zu einem Präzedenzfall werden können, wie man die Einführung der Grünen Gentechnik Bevölkerung und Bauern schmackhaft machen kann. Das Gegenteil war der Fall.

Aufgeschreckt durch das Bekanntwerden von geheimen Anbau von Genpflanzen in den Jahren 1998 bis 2004 durch das Bundessortenamt, misstrauisch geworden durch die undurchsichtige Informationspolitik des Bauernverbandes und wütend über die Unverfrorenheit, mit der Politik und Konzerne die Gentechnik gegen den Willen der Bevölkerung durchdrücken wollen, bildete sich an allen Standorten mit Genmaisanbau Widerstand. In der Nachbarschaft des Versuchsanbaus in Greven im Münsterland gründete sich ab 2006 mit enormer Geschwindigkeit durch das Engagement des Bauern Reinhard Fiegenbaum und seiner Getreuen eine Netz von gentechnikfreien Regionen und Nachbarschaften, welches mit über 600 Selbstverpflichtungserklärungen und einer Gesamtfläche von über 15.000 Hektar bis zum heutigen Tage die größte gentechnikfreie Region in NRW bildet. Nach 2006 wurde im Münsterland kein Genmais mehr angebaut.

Am Versuchsstandort Borken bildete sich ebenfalls Widerstand, getragen durch ein Bündnis von Bauern und Verbrauchern. Zwar gründete sich dort keine gentechnikfreie Region, aber durch kontinuierlichen Widerstand erreichte man, dass Monsanto den Versuchsanbau für 2008 aussetzte.

In Werne hält sich 2008 im zehnten Jahr hartnäckig das letzte Feld mit Genmais in NRW. Der Widerstand hier war nicht minder heftig, wie in den anderen Orten, allerdings waren hier die Verbraucher auf sich alleine gestellt, was auch damit zusammenhängen könnte, dass der Versuchsanbau auf den Flächen des Kreislandwirtes stattfand. Diese letzten 2600 Quadratmeter sind mittlerweile von Unbekannten zerstört worden. Offiziell eingestellt wurde er noch nicht, es scheint hier um das Prinzip zu gehen. 2008 läuft auch hier die Genehmigung für den Versuchsanbau aus, eine Verlängerung ist nicht in Sicht.

De facto ist Nordrhein-Westfalen 2008 gentechnikfrei. Im nächsten Jahr beginnt der Wahlkampf zur Landtagswahl 2010. Es bleibt abzuwarten, ob der Anbau von Genmais & Co dann weiter forciert wird. Offensichtlich reagiert das Wahlvolk empfindlich und scheint die vor einigen Jahren noch vehement geforderte Koexistenz abzulehnen.

Wir bleiben wachsam und werden alles dafür tun dass NRW 2009 endgültig gentechnikfrei wird.

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